Peer-Leader International

Eine internationale Jugendinitiative für lokales Engagement und globale Nachhaltigkeit
PLI_Logo_web„Peer-Leader International“ ist ein Projekt in dem junge Menschen durch die Entwicklung und Umsetzung von Ideen zur Gestaltung ihres Sozialraums von- und miteinander lernen. In dem 10.000-Einwohner-Ort Ostrhauderfehn sind über 50 Jugendliche aktiv, oft auch über das Ende der Schulzeit hinaus. In Braunschweig, Hannover und Syke konnten 2013 neue Gruppen gestartet werden, die inzwischen mit ersten Projekten auch ihr Umfeld mitgestalten. Große Erfolge waren die Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“, bei der die Jugendlichen 7000 Unterschriften für das 0,7%-Ziel der Entwicklungszusammenarbeit sammelten, der Aufbau einer bio-fair-regio Imbissbude sowie das Festival of Innovation mit Ausstellung und Workshops zu innovativen Ideen für die Lösung globaler, gesellschaftlicher Herausforderungen.
Wie gehen wir vor?
Die teilnehmenden Jugendlichen werden in wöchentlichen Gruppenstunden zu Peer-Leadern qualifiziert. In der 1. Phase stehen Kooperation und (interkulturelle) Kommunikation im Mittelpunkt. Hierbei kommen Rollenspiele, Collagen und Methoden der Erlebnispädagogik zum Einsatz. Zunehmend wird den Jugendlichen selber Verantwortung für einzelne Einheiten der Gruppenstunden übergeben. Neben den Gruppenstunden am Nachmittag fahren die Jugendlichen zu Beginn der Qualifizierung für ein Wochenende in ein Seminarhaus. Hier besteht Raum für ein intensives Kennenlernen. Dabei diskutieren die Jugendlichen auch, wie sie mit ihrer Verschiedenheit umgehen und was es bedeutet, Vorbild zu sein.
Ist die Gruppe gefestigt, können die Jugendlichen in der 2. Phase an gesellschaftliche Themen herangeführt werden. Dies geschieht insbesondere durch die Begegnung mit authentischen Personen sowie Exkursionen zur Erkundung anderer Lebenswelten. Fehlt Hintergrundwissen, so werden die Jugendlichen ermutigt, ihre Fragen zu formulieren und sich selber auf die Suche nach Antworten zu machen.
In einem gemeinsamen Wochenende mit Jugendlichen aller Gruppen tauschen sich die Jugendlichen über ihre Themen aus. Gemeinsam entwickeln sie Ideen für produktives Handeln. Die Projektideen aus der Begegnung werden in der 3. Phase umgesetzt. Die Erfahrung zeigt, dass Jugendliche insbesondere gewillt sind, mit Medienprojekten ihre Werte sichtbar zu machen und für diese zu werben, z.B. Werbefilm für einen offenen Umgang mit Menschen mit Behinderungen im üstra Fahrgast-TV. Weitere Ideen zielen auf die direkte Hilfe für Betroffene ab, z.B. Sammeln von Kleidung für Flüchtlinge. Möglichkeiten bestehen aber auch in der Veränderung der Infrastruktur, z.B. das Aufstellen eines öffentlichen Bücherschranks, oder gar der Aufbau von Schülerfirmen mit dauerhaftem Angebot, wie dies in Ostrhauderfehn mit der bio-fair-regio Imbiss-Bude gelang.
Welche Rolle spielt die internationale Jugendarbeit?
Jugendliche unterschiedlicher Länder aber mit ähnlichen Problemstellungen lernen im Projekt PEER-LEADER INTERNATIONAL voneinander und arbeiten gemeinsam an den für sie relevanten Themen. Die geteilte Handlungspraxis ist dabei zentral für die Entwicklung einer partnerschaftlichen Beziehung und eines komplexen Weltentwurfs. Der internationale Austausch ist dabei mit klar definierten Funktionen in das Gesamtkonzept eingebettet.
Jugendliche formulieren ihre lokalen Themen, um sie anderen Jugendlichen vorzustellen. Sie bekommen Feedback und beginnen, ihr lokales Thema aus der Sicht anderer wahrzunehmen. So erlangen sie ein tiefergehendes Verständnis der lokalen Situation.
Aus dem Netzwerk werden die Jugendlichen mit globalen Herausforderungen konfrontiert. Fragen in Bezug auf Globalisierung, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, die die Jugendlichen in sich tragen aber bisher nicht artikulieren konnten, werden konkret. Dabei erfahren sie auch, wie ihr eigenes Umfeld in globale Veränderungen eingebunden ist.
Das Lernen über aktuelle Herausforderungen der Partner und deren Umgang mit diesen inspiriert zu eigenen Aktivitäten. Die bestehenden Gruppen können sich weiterentwickeln, indem sie Impulse von anderen Gruppen aufnehmen. Neben guten Aktionsformen sind dies vor allem neue Fragestellungen.
Ausgehend von dem komplexen Weltentwurf, handeln die Jugendlichen zwar auf lokaler Ebene, sie sind sich aber auch bewusst, dass ihr Handeln mit den Lebensbedingungen von Menschen in anderen Ländern verbunden ist, und denken bei allen Aktivitäten die globale Dimension mit. In dem Projekt ist das Leitmotiv der Agenda 21 „Global denken, lokal handeln“ gelebter Alltag.
Um diese Wirkung zu erreichen werden verschiedene Formen des Austausches genutzt:
• Langzeitfreiwilligendienste: Praktika, FÖJ im Ausland oder Europäischer Freiwilligendienst ermöglichen es Jugendlichen für längere Zeit in anderen Peer-Leader Gruppen mitzuwirken. Sie sind wichtige Kommunikationsschnittstellen, da sie Wissen aus der eigenen Gruppe in ihre Arbeit einfließen lassen sowie Erfahrungen in die Heimat kommunizieren.
• Kurzzeitbegegnungen: Während internationaler Begegnungen lernen sich die Jugendlichen persönlich kennen. Es geht im Wesentlichen darum, die Verbindung zu spüren und durch den Austausch Energie für die weitere Arbeit zu gewinnen.
• Internet: Im Internet werden bisher vor allem Ergebnisse präsentiert. Darüber hinaus wird die Facebook-Gruppe genutzt, wie dies unter jungen Menschen üblich ist, als Ausdruck für den eignen Lebensstil. Inhaltliche Diskussionen sind schwer anzustoßen.
• Projektbeteiligung: Einzelne Jugendliche und junge Erwachsene der Partnergruppen werden als Expert/innen zur Mitarbeit an konkreten Projekten eingeladen. Hier geht es darum, die Ressourcen aus dem Netzwerk zu nutzen.
Was macht den Ansatz erfolgreich?
Das Besondere der Peer-Education liegt in einem hierarchiefreien Lernen. Es gibt keinen „Wissenden“, der den vermeintlich Unwissenden die Inhalte und Zusammenhänge erklärt. Damit wird der Jugendliche nicht abgewertet, sondern entwickelt ein positives Selbstwertgefühl. Gemeinsam erschließen sich die Jugendlichen ihnen unbekannte Themen (wofür sie durchaus auch externe Experten mit einbeziehen können).
Die Gruppenleitung ist nur in der 1. Phase ein Gestalter von Lernräumen. Sie:
• Lenkt mit verschiedenen Übungen zur Vertrauensbildung, Kooperation und Kommunikation sowie über Werte und Gefühle den Prozess der Gruppenfindung,
• ist Garant für eine vertrauensvolle, wertschätzende und kooperative Atmosphäre, in der sich Jugendliche sicher fühlen und individuelle Wege im Umgang mit der Welt erproben können.
In der zweiten Phase ist die Gruppenleitung nur noch Lernbegleiter. Sie versteht sich selbst als suchend und erforscht mit den Jugendlichen gemeinsam Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung lokal und global.
In der 3. Phase agiert die Gruppenleitung als Mentor. Sie zeigt Potenziale auf, indem Kontakte benannt und andere Jugendprojekte als Inspiration angeboten werden. Wichtig ist, dass die Gruppenleitung an der Idee der Jugendlichen mitwirkt und ihnen hilft, eine Struktur für die Arbeit zu finden, ohne dabei die Leitung zu übernehmen und den Jugendlichen die Eigentümerschaft ihrer Idee zu nehmen. Zunehmend verschwinden die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Die Gruppenleitung hat keine Sonderrolle mehr, sondern muss sich als Team-Player integrieren.
Wird den Jugendlichen die Prozesshoheit über ihr Lernen gegeben, so funktioniert dieses nicht in abstrakter Weise mit dem (schulischen) Anspruch auf Richtigkeit, sondern folgt eher dem Prinzip Try & Error: Schauen, was ist, äußern, was man fühlt, ausprobieren, was geht. Dies erfordert Flexibilität der Gruppenleitung bei der Umsetzung und die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.
Zudem müssen Jugendliche sich als produktiv erleben. Als Lernende in Bildungsprogrammen bekommen Jugendliche die Rolle des Defizitären und Förderungswürdigen, was sich negativ auf die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen auswirkt. Erst durch produktives Schaffen entsteht ein Bewusstsein für die eigenen Potenziale und die eigene Wirksamkeit.
In Ostrhauderfehn werden neue Gruppen gleich damit beauftragt einen Zivilcourage-Workshop in der Schule durchzuführen. In den Gruppenstunden probieren sie Methoden aus und reflektierten diese anhand der Leitfrage: „Warum macht man diese Übung?“ Dabei werden die Übungen nicht von der Gruppenleitung, sondern von einzelnen Peer-Leadern angeleitet. Die Gruppenleitung hat lediglich die Übungen ausgewählt und diese bei der Vorbereitung beraten. So geschult, konnten die Peer-Leader die Methoden auch im Workshop mit den Schülern und Schülerinnen anwenden.